Ein Plädoyer zum Erhalt der Fredersdorf-Vogelsdorfer Wappen - und Friedenseiche

von Hans-Wolf Ebert, April 2019

Die Friedenseiche in Fredersdorf-Vogelsdorf verkärpert mit ihrer hohen Bedeutung für den Ort ein Naturdenkmal von einmaliger Relevanz. Sie wirkt als einziger erhaltener Wappenbaum identitätsstiftend für die Bewohner und findet sich auf jedem amtlichen Schreiben der Kommune im Ortswappen.

Als Friedenseiche steht sie für eine besondere historische Entwicklung und gesellschaftliche Positionen:

  1.  Sie steht für den Friedenswillen nicht nur der Fredersdorf-Vogelsdorfer.
  2. Sie verkärpert den Gedanken der Toleranz zwischen Juden und Christen.
  3. Sie ist ein Symbol für Weltoffenheit und internationale Verständigung.
  4. Die Eiche ist ein Symbol gegen Diktatur und Hybris.

Dazu im Einzelnen:

Im Jahre 1812 pflanzte der hiesige Gutsbesitzer Jean Balthasar Henry zwei Eichen an den jeweiligen Ortsausgängen Fredersdorfs als sichtbares Zeichen seines Protests gegen die weiteren Kriegspläne des französischen Kaisers insbesondere gegen den bevorstehenden Russlandfeldzug. Dabei musste Henry mit drakonischen Strafma§nahmen des französischen Militärs rechnen, das zu diesem Zeitpunkt nach der preußischen Niederlage als Besatzungsmacht herrschte.

Bereits eine unvorsichtige Bemerkung reichte den französischen Befehlshabern, um zu drastischen Strafen zu greifen. Auch von heutigen Diktaturen kennen wir den harten Umgang mit Dissidenten.  Dazu war Henry auch in Frankreich nicht unbekannt. Nach denhistorischen Quellen entstammt Jean Baltasar Henry einer französischen Hugenottenfamilie mit jüdischen Wurzeln. Obwohl evangelisch-reformiert, bekannte er sich auch als Jude undheiratete in die wohlhabende jüdische Familie Silber aus Elbing. Von dort stammte wohl einTeil seines beträchtlichen Vermögens.

Die Ereignisse um die Französische Revolution hatten ihn aber bereits als überzeugten Freiheitsfreund zurück nach Frankreich gezogen, wo er sich dem nach heutigen Begriffen radikal-demokratischen Club der Jacobiner anschloss. Schnell machte er Karriere auch in der jüdischen Gemeinde. Als Mitglied des „Großen Sanhedrin“ gehörte er der hächsten jüdischen Repräsentanz in Frankreich an. Gleichzeitig vertrat er die Französische Republik als Diplomat in Madrid und vermittelte dort u.a. einen Handelsvertrag zwischen Spanien und Preußen, mit dem er weiterhin in Kontakt stand.

Aufgrund der Selbstkränung Napoleons zum Kaiser der Franzosen verließ Henry protestierend den französischen Staatsdienst. 1806 kam es zu den für Preußen unglücklich verlaufenden Krieg mit Napoleon. Der preußische König wurde gezwungen, eine Allianz mit dem Eroberer einzugehen und achtete daher peinlich darauf, diesen nicht zu verärgern.Henry hielt schon von Frankreich aus Kontakt zu den preußischen Reformern um Hardenberg und unterstützte unter großer Geheimhaltung ebenso wie seine Vorgängerin auf Gut Fredersdorf, die Freifrau von Berg, die letztlich in den Befreiungskriegen erfolgreiche Wiederentstehung eines sich reformierenden Preu§ens. Ebenso wie die Attentäter des Zwanzigsten Juli 1944 ein Jahrhundert später glaubte er jedoch nicht, dass der Frieden ganz ohne Waffeneinsatz gegen einen Tyrannen und Diktator erreichbar sei. Unter konspirativen Bedingungen besorgte er Waffen (wahrscheinlich aus franzäsischen Beständen) für die bürgerlichen Freikorps Schill, Lützow u.a. sowie die sogenannten Krümper in den regulären preußischen Truppen.

Das Erbe dieser hier nur verkürzt dargestellten Geschichte vergegenständlicht sich in der Fredersdorfer Friedenseiche und macht deutlich, dass deren Erhalt unter allen Umständen zu gewährleisten ist. Ihre Beseitigung gliche einem Akt der Barbarei u.a. gegen die jüdischdeutsche Aussähnung sowie die Freundschaft zu Frankreich. Sie wäre ein Schlag gegen alle naturliebenden und geschichtsbewussten Menschen.

Der Umstand, dass diese Eiche noch nicht unter Schutz steht, löst Unverständnis aus.

Mit freundlicher Genehmigung v.
Hans-Wolf Ebert, April 2019
Rektor i.R., Mitglied im Heimatverein