In Hennickendorf sind Schwalben willkommen!

Mit der Auszeichnung als "Schwalbenfreundliches Haus" konnten wir am 19.03.19 in Hennickendorf Jürgen Lemke, Betreiber der in der Region bekannten "Mühle Lemke" überraschen.

Andreas Hinz & Jürgen Lemke
Andreas Hinz (NABU) & Jürgen Lemke (Mühle Lemke)

 

An den zahlreichen Gebäuden der 1858 errichteten Wassermühle brüten schon seit Jahren die flinken Flugkünstler und werden jedes Jahr mit Freuden wieder begrüßt. Unter dem Vorwand, uns die vielen Schwalbennester einmal ansehen zu wollen, hatten wir uns angemeldet und kamen so in den Genuss einer ausgiebigen Führung mit dem Mühlenbesitzer. So konnten wir uns mit eigenen Augen von den idealen Lebensbedingungen für die Schwalben in und um die Mühle Lemke überzeugen.

Die beliebtesten Brutplätze im Mühlenensemble seien das Mühlengebäude selbst und der alte Pferdestall, erfuhren wir. Da die Mühle auch  noch gewerblich genutzt wird und so gewisse Hygienerichtlinien berücksichtigt werden müssen. hat Herr Lemke einen Teil des alten Gebäudes mithilfe von Drahtgeflecht abgeteilt und stellt des ausschliesslich den Schwalben zur Verfügung. Durch ein offenstehendes Fenster haben die Tiere jederzeit die Möglichkeit, ihre Neser zu erreichen. ohne die im restlichen Teil der Mühle hergestellten Futtermittel und Mehle zu verschmutzen.

 

 


Schwalbennest im Pferdestahl der Mühle Lemke
Schwalbennest im Pferdestall der Mühle Lemke

 

 

Schwalben gelten seit jeher als Glücksboten, wurden früher in jedem Dorf willkommen geheißen und kündigten mit ihrer Ankunft den baldigen Frühling an. Sie kommen jedes Jahr von März bis Mai aus ihren Winterquartieren in Afrika zurück. "Letztes Jahr kamen die ersten am 28. März an", erinnert sich Herr Lemke noch genau.

Nach seiner Aussage wurden im letzten Jahr zwischen 600 und 700 Jungschwalben groß, hauptsächlich Rauchschwalben. Die Mehlschwalbenpaare seien leider seit Jahren stark rückläufig. "Früher hatten wir 50-60 Brutpaare, nun sehe ich kaum noch welche". Diese Beobachtung deckt sich mit den Bestandsbeobachtungen des NABU. Die Veränderungen in der Landwirtschaft, die zunehmende Flächenversiegelung und die stark abnehmende Toleranz der Menschen den Schwalben gegenüber sind die Gründe hierfür.

 

 

 

Nisthilfen über dem Hoftor der alten Mühle
Nisthilfen für Mehlschwalben am Mühlentor

 

Die Familie Lemke setzt sich seit vielen Jahren engagiert dafür ein, dass Schwalben bei ihnen gute Bedingungen für die Aufzucht ihrer Jungtiere vorfinden. Dazu trägt die Weidetierhaltung rund um die Mühle sowie die Nähe zum Naturschutzgebiet "Lange-Damm-Wiesen und Unteres Annatal" bei. 

Herr Lemke hat auch zahlreiche künstliche Nester angebracht. "Ich habe gerade nochmal 20 gekauft", berichtete er. Unter dem Dach der Toreinfahrt wurden im letzten Jahr die Kunstnsester für Mehlschwalben angebracht, bisher aber leider noch nicht angenommen. Der Mühlenbesitzer vermutet, dass es - bedingt durch den Klimawandel - im Sommer unter dem Dach zu heiss wird und denkt bereits über eine Isolierung nach, um für die Schwalben bessere Bedingungen zu schaffen.

Über eine "Schwalbenkamera" mit Übertragung der Bilder in den Hofladen der Mühle denkt Familie Lemke derzeit nach. Wir sind gespannt und schauen gerne während der Brutsaison noch einmal vorbei!     

MOZ-Artikel v. 20.03.19